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ONE ZERO ZERO – Rudolf Englert zum 100. Geburtstag

Rudolf Englert, Ohne Titel, Nr. 81, 1962, Tusche auf Papier, Nachlass Rudolf Englert | Foto: Ludger Aundrup Fotografie ©Nachlass Rudolf Englert

Rudolf Englert, „[…] ein sehr Orientierter, an dem man sich wiederum orientieren kann“: So bezeichnete der Kunst- und Literaturkritiker Heinz Ohff 1978 treffend den Künstler. In Duisburg geboren, verbrachte Englert seine intensivsten Schaffensjahre in der Region Osnabrück. 2021 wäre er 100 Jahre alt geworden.

Mit verschiedenen Techniken und Materialien experimentierend, setzte sich Rudolf Englert mit Serialität und Bildräumlichkeit auseinander. Dies rückt einen Teil seiner Werke in die Nähe zu Arbeiten der Künstlerbewegung ZERO und deren internationale Pendants. Vielseitig interessiert, korrespondierte Rudolf Englert mit Kunsthistorikern, Kritikern und Kollegen. Was ihn interessierte und inspirierte, nahm er in seine literarische und künstlerische Privatsammlung auf. Sein besonderes Interesse galt dem Thema Schrift, an dem sich der gelernte Typograph über Jahre in Serien von rhythmischen Zeichen künstlerisch abarbeitete. Die Essenz und der Hauptgegenstand seines Spätwerkes war für Englert die Schlaufe, die zu so etwas wie einem Markenzeichen wurde.

 

Insbesondere in den 1960er und 1970er Jahren waren seine Werke in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen zu sehen. Im Sommer 2005 fand die letzte umfassende Präsentation zu Rudolf Englert in der Kunsthalle Dominikanerkirche in Osnabrück statt. Das Ziel der Ausstellung und der zugehörigen Publikation war es, Englerts Oeuvre wiederzuentdecken. Eine Einbindung in den (inter)nationalen Kunstkanon, an dem Englert regen Anteil nahm und den er mitprägte, erfolgte in Ansätzen im Katalog.

 

Hier knüpft die Ausstellung ONE ZERO ZERO – Rudolf Englert zum 100. Geburtstag an. Anlässlich des Jubiläums werden Werke aus Englerts Schaffensphasen ausgewählt und einzelnen Arbeiten von Kollegen wie Günther Uecker, Heinz Mack, Otto Piene, Jan J. Schoonhoven oder Lucio Fontana gegenübergestellt. Das Ziel der Präsentation im Museumsquartier ist es, Englert aus der bisher vor allem werkimmanenten Betrachtung herauszulösen. Es soll anschaulich werden, wer und was Rudolf Englert inspiriert und ihn auf dem Weg hin zu einer eigenen Bildsprache gelenkt und begleitet hat. Durch die Kontextualisierung entstehen völlig neue, bisher unbekannte Perspektiven auf das faszinierende Werk des Künstlers.

 

 

ZUR AUSSTELLUNG

 

Die Präsentation beginnt in direkter Nachbarschaft zum Kabinett der altmeisterlichen Gemälde aus der „Sammlung Gustav Stüve“. Der Querverweis auf die traditionellen Tafelbilder verdeutlicht die radikale Modernität der Arbeiten von Rudolf Englert und seinen Künstlerkollegen Jan J. Schoonhoven, Heinz Mack und Friedrich Teepe. Alle vier setzen sich in den hier präsentierten Werken mit dem Bild als Raumkörper und der Erweiterung des (traditionellen) Gemäldes auseinander. Mit Zellulose zu weißen Reliefs geformte Bilder spielen mit Licht und Schatten und verweisen auf den spannenden Diskurs um die Eigengesetzlichkeit der Kunst als Ausgangspunkt der Moderne.

Friedrich Teepe, 2/72, 1972, Acryl auf Leinen, gefaltet u. geschichtet, 60,5 x 60,5 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert
Rudolf Englert, M 41/1962, 1962, Mischtechnik (Zellulose auf Leinwand), 87 x 122 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup Fotografie
©Nachlass Rudolf Englert

 

 

 

 

Der folgende Raum gibt mit Hilfe von Büchern, Briefen und Arbeiten auf Papier aus Englerts privater Sammlung Einblicke in eine Auswahl seiner Inspirationsquellen.

K. R. H. Sonderborg, Ohne Titel, 27.03.1964, Lithographie, 72,5 x 58,5 x 3,8 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert
Jiří Kolář, Ohne Titel, 1964, Crumblage, 29,7 x 21 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert

 

 

 

Im Anschluss wird die „Abarbeitung“ am Tafelbild erneut deutlich. Experimentell wird das Gemälde zum Raumkörper erweitert, wobei die Perforation und Durchdringung des Bildträgers in den Mittelpunkt rückt. Neben Arbeiten von Rudolf Englert führt ein Werk von Lucio Fontana stellvertretend die Nähe und Auseinandersetzung Englerts zum und mit dem internationalen Kunstkanon der 1960er und 1970er Jahre vor Augen.

Rudolf Englert, L 1/1962, 1962, Bleistift auf Papier, perforiert, 58,6 x 67,5 x 7,7 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert

 

Die Serialität in Englerts Werk zeigen Arbeiten auf Leinwand und auf Papier. Rhythmisch, zumeist systematisch und akribisch setzte Englert in unterschiedlichen Medien und Techniken Striche, Punkte und Bögen neben und in Zeilen untereinander. Diese Herangehensweise bringt seine Arbeiten in die Nähe der ZERO-Bewegung, was eine exemplarische Gegenüberstellung von Englerts Werken mit einem Gemälde von Otto Piene deutlich macht.

Weniger interessierten Englert die maschinellen und raumgreifenden Installationen seiner Kollegen. Bewusst grenzte er sich mit seiner „handgemachten Intimität“ gegen diese großen, teils „lauten“ (Bild)räume einiger ZERO-Künstler ab.

 

Die „geschriebenen Bilder“ erinnern an eine geheime Sprache oder zum Teil auch an Noten. Diese Arbeiten rufen Gedanken an den für die Werke Englerts so wichtigen Entstehungsprozess hervor, dem neben Rhythmus und Präzision zugleich etwas Meditatives und Getriebenes innewohnte. Er malte zu Musik und benannte Blätter nach Platten, die er teilweise über Tage in Dauerschleife hörte.

Rudolf Englert, Villa Romana/Florenz, Nr. 90, 1976, Tusche auf Papier, 75,7 x 56 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert
Rudolf Englert, Atelier Ostercappeln, Jazz, Nr. 22, September 1976, Tusche auf Papier, 61 x 56,2 cm, Nachlass Rudolf Englert
Foto: Ludger Aundrup, ©Nachlass Rudolf Englert

Hier lassen sich deutliche Bezüge - Parallelitäten aber auch Unterschiede - zum ZERO-Künstler Günther Uecker und dessen über fast 40 Jahre hinweg entstandenen Zyklus „Geschriebene Bilder“ herstellen. Für beide Künstler bedeutete der Zyklus die Möglichkeit, Unsagbares zum Ausdruck zu bringen. Uecker sagt dazu: „[…] Der Zyklus tut etwas kund, was ich sprachlich nicht fassen kann. […]“

Immer weiter reduzierte Rudolf Englert seine rhythmischen Serien und Formen bis hin zu einer Schlaufe, als für ihn persönliche Essenz: Kreisförmig, der Null ähnlich – und doch anders. Während die Null bei ZERO Anfang bedeutet, ist für Englert die Schlaufe gleichzusetzen mit Ankommen.

Deutlich wird dies an einem besonderen Werk von Rudolf Englert: Eine weiße Reliefarbeit aus den 1960er Jahren, die er 1985 in der Spätphase seines Schaffens mit einer großen schwarzen Schlaufe versah. Der Kreis – oder die Schlaufe – hat sich für den Künstler geschlossen. „Aus der Handschrift seiner Zeit hat er eine sehr persönliche und unverwechselbare eigene Handschrift entwickelt.“

Die Ausstellung entsteht in enger Zusammenarbeit mit der Witwe und Nachlassverwalterin Hildegard Englert und mit dem Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V.

Zudem kooperiert das Museumsquartier mit der cubus kunsthalle in Duisburg. Dort soll das in Duisburg entstandene Frühwerk und das Spätwerk Englerts gezeigt werden. Auch die Galerie Dittmar in Berlin wird anlässlich des Jubiläums eine Auswahl an Arbeiten von Rudolf Englert zeigen.

Ein reich bebilderter Katalog und ein abwechslungsreiches Veranstaltungs- und Vermittlungsangebot begleiten die Präsentation im Museumsquartier Osnabrück.

Großzügig gefördert wird das Ausstellungsprojekt von der Sievert Stiftung für Wissenschaft und Kultur.

 

 

 

 

 

 

 

Begleitprogramm

Kalligrafie- Workshop: Die Kunst des schönen Schreibens

Im Rahmen der Ausstellung „ONE ZERO ZERO – Rudolf Englert zum 100. Geburtstag“ bietet der Workshop die Möglichkeit selbst kreativ-gestalterisch mit Schriften tätig zu werden. Nach einer Einführung in die Ausstellung werden Sie im Workshop klassische und freie Schriftcharaktere kennenlernen, die Ihnen weitere Anregung bieten, um eigene schwungvolle, elegante oder verspielte Schriftzüge, Linien mit verschiedenen Schreibwerkzeugen zu entwickeln.
Der Workshop ist eine Kooperation mit der Volkshochschule der Stadt Osnabrück.

Termin:
Sa., 12. Juni 2021, 13.15-17.30,
So., 13. Juni 2021, 11.00- 14.30 Uhr

Kursleiter: Jürgen Holzklau

Gebühr: 43 Euro/ ermäßigt 28 Euro plus 5 Euro Eintritt Museum und 10 Euro Materialkosten; Eintritt ist an der Museumskasse, Materialkosten sind vor Ort beim Kursleiter zu entrichten

Ort: Museumsquartier Osnabrück, Lotterstr. 2 49078 Osnabrück

Treffpunkt: Museumskasse

Anmeldung: Volkshochschule der Stadt Osnabrück, Bergstr.8, 49076 Osnabrück, Tel.: 0541/323-2243 www.os-vhs.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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