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„nichts – und alles“. Der De Stijl-Künstler Friedrich Vordemberge-Gildewart.

Einen besonderen Höhepunkt des Osnabrücker Jahresprogramms zu Friedrich Vordemberge-Gildewart (v-g) setzt die Ausstellung "nichts – und alles" vom 16. Juni bis 6. Oktober im Felix-Nussbaum-Haus und im Kulturgeschichtlichen Museum.

Der Ausstellungstitel ist einem Gästebucheintrag des in Osnabrück geborenen Künstlers Friedrich Vordemberge-Gildewart (1899–1962, v-g genannt) entlehnt, der sich auch auf sein Werk übertragen lässt, das zugleich konkreten Ausdruck, gestalterische Komplexität und philosophische Überlegungen zur Ästhetik vereint. Über 60 Werke veranschaulichen v-gs Vielseitigkeit als Maler, Graphiker, Innenarchitekt, Typograf und Baugestalter.

v-g zählt zu den Pionieren konkreter Kunst und lässt sich als deutscher Vertreter dem Konstruktivismus zuordnen, der sich als internationaler Stil in den 1920er Jahren entwickelte. Er stand im regen Austausch mit verschiedensten Künstlerkreisen der Avantgarde, die nach dem Ersten Weltkrieg ihren Beitrag zur Erneuerung der Gesellschaft in der Kunst sahen. Früh begann sich v-g international zu vernetzen. So wurde er 1925 von Piet Mondrian und Theo van Doesburg in die niederländische Künstlergruppe De Stijl aufgenommen.

Im Blick der Ausstellung steht auch das künstlerische Schaffen in den Jahren des Exils. 1936 war v-g aufgrund seiner Kunstauffassung und der Tatsache, dass seine Frau Ilse Leda jüdisch war, gezwungen, seine Heimat zu verlassen. So zog er von Hannover nach Berlin und floh 1937 nach Amsterdam. Dort arbeitete er im Umkreis Max Beckmanns. v-gs Werke verloren trotz dieser schwierigen Zeit nichts von ihrer klaren Ausdruckskraft. Vielmehr sah v-g sein künstlerisches Schaffen unabhängig von der politischen Lage, und es gelang ihm sogar aus dieser Widerstandshaltung Energie zu schöpfen. Einzig sein berühmtes Gästebuch, das sonst stets seinen künstlerischen Austausch begleitete, bezeugt mit seiner Unterbrechung die schwierige Zeit des Kriegs. Erst 1947 nimmt er diese Gewohnheit mit den bedeutungsträchtigen Worten "10 Jahre nichts – und alles" wieder auf.

Nach 1945 gehörte er wieder zu den konsequentesten Verfechtern der Erneuerungsbewegung einer Kunst, die auf den Alltag ausstrahlen sollte. Aber erst nach der Berufung an die Hochschule für Gestaltung in Ulm durch Max Bill kehrt v-g nach Deutschland zurück. Sein internationaler Erfolg gipfelt schließlich in der Teilnahme an den Biennalen in Venedig (1952) und São Paolo (1953) sowie an der documenta in Kassel in den Jahren 1955 und 1959.

Die Osnabrücker Ausstellung ist eine Übernahme aus dem Museum Wiesbaden und wird durch eigene Bestände des Felix-Nussbaum-Hauses ergänzt. Das Museum Wiesbaden verwaltet dank einer großzügigen Schenkung der schweizerischen Vordemberge-Gildewart-Stiftung (Rapperswil bei Zürich) den biographisch-künstlerischen Nachlass von v-g.

Mit der Übernahme dieser Ausstellung bietet sich die einmalige Gelegenheit, einen Teil des v-g Nachlasses in seiner Heimatstadt zu zeigen. Die Hängung im Felix-Nussbaum-Haus veranschaulicht durch die Nähe zur Sammlung Felix Nussbaum zudem, welche Bandbreite von Kunst von den Nationalsozialisten als „entartet“ verstanden wurde.

v-gs Oeuvre zeichnet sich durch eine besondere Sensibilität für das Austarieren von geometrischen Formen sowie der Nutzung intensiver Farbwerte aus. Zwischen dem Funktionieren der Einzelteile als je eigene Bildwelt und dem Zusammenspiel als Ganzes entstehen Spannungsfelder. Dieses Phänomen findet sich in den Ölgemälden genauso wieder wie in den Werbetypografien. Die Haltung des ganzheitlichen Kunstbegriffs wird verständlich, sobald Verfahren der konstruktivistischen „Hochkunst“ – zuvor in den Ölgemälden bewundert – ebenso in der Schaufenstergestaltung der Kaufhäuser und im Möbeldesign festzustellen sind. Zudem geben Aquarelle, Skizzen, Fotografien und Zeichnungen einen spannenden Einblick in das Schaffen dieser facettenreichen Persönlichkeit.

Besucher haben mit angebotenen Führungen die Möglichkeit, sich v-g als vielseitigem Künstler zu nähern. Wer auf eigene Faust die Ausstellung entdecken möchte, erhält mit Karten, die neben ausgewählten Werken zur Verfügung stehen, viele Detailinformationen.

Die Ausstellung wird im Rahmen des v-g-Jahres gefördert von der Sparkasse Osnabrück, Landschaftsverband Osnabrücker Land e.V., Museums- und Kunstverein Osnabrück e.V., der Stiftung Hartwig und Maria-Theresia Piepenbrock, Klosterkammer Hannover, Landschaft Fürstentum Osnabrück

Museumspädagogische Angebote zur Ausstellung

Zur Vorbereitung des Besuchs der aktuellen v-g-Ausstellung und zur Einführung in das Leben und Werk v-g´s kann eine DVD mit dem Film "Von Millimetern und Geraden" beim Museumspädagogischen Dienst angefordert werden.

Regionale Beispiele der Anwendung des neuen Stils aus den zwanziger Jahren werden im Vergleich zur traditionellen Kunst betrachtet, und die neuen Gestaltungsmittel werden dabei mit Hilfe von Exponaten im Kulturgeschichtlichen Museum herausgearbeitet. Die Gemälde und Serigrafien v-g´s werden auf ihre Gestaltungsprinzipien hin betrachtet und Begriffe wie "Konstruktion" und "Komposition" geklärt.

In der Werkstatt im Akzisehaus zeigen großformatige Reproduktionen von El Lissitzkys "Geschichte von zwei Quadraten" die narrativen Qualitäten der Abstraktion.

Differenziert nach Altersstufen stehen in der Werkstatt verschiedene Materialien zur Verfügung, um eigene Bildkompositionen herzustellen: Für die dritte bis sechste Klasse gibt es farbiges Tonpapier und Tonkarton, Scheren, Lineale und Leim für Collagen. Für die siebte Klasse bis Oberstufe werden Zeichenpapier, Stifte und Kreide, Reproduktionen von Skizzen und Werkstattbüchern v-g’s und eine Druckpresse bereitgehalten.

In Gruppenarbeit wird ein eigener Plakatentwurf erstellt. Wenn ein weiterer Termin gewünscht ist, dient dieser Bildentwurf zur Vorbereitung des Werkstattbesuches im Museum Industriekultur. Dort erfolgt die Umsetzung des Entwurfs mit musealen typografischen Mitteln in einen A 3-Druck in der Druckwerkstatt des Museums Industriekultur im Piesberger Gesellschaftshaus.

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