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40. Afghanistan darf nicht in Vergessenheit geraten

Kopfkissenbezug mit Stickerei „Taschakor“ (Danke) Afghanischer Frauenverein e.V. Seide, bestickt

Der Abzug der alliierten Streitkräfte und die Machtübernahme der Taliban haben die Rechte der Mädchen und Frauen in Afghanistan drastisch eingeschränkt. Auch für Hilfsorganisationen ist die Lage gefährlich; viele internationale Akteur:innen haben das Land verlassen. Der Afghanische Frauenverein e.V. (AFV) aber blieb trotz aller Gefahren und Widrigkeiten. Seit der Gründung 1992 in Hagen im Landkreis Osnabrück setzen sich die Mitglieder rund um die Vorsitzende Nadia Nashir (1955–2023) für Frauenrechte in Afghanistan ein und sagen ganz klar: „Wir machen weiter“.

Zahlreiche Hilfsaktionen wurden von dem Büro aus organisiert, das von 2007 bis 2021 in der Katharinenstraße in Osnabrück zu finden war. Im April 2021 zog der AFV nach Hamburg um und feierte im November 2022 sein 30-jähriges Jubiläum. In dieser Zeit hat der AFV Großartiges geleistet: den Bau und die Unterhaltung von fünf Schulen, zwei Lehrschneidereien und sieben Mutter-Kind-Kliniken. Außerdem baut der AFV 90 Brunnen pro Jahr, organisiert Winter- und Überlebenshilfen für jährlich über 150.000 Menschen sowie Familienpatenschaften und Hochschulstipendien für Mädchen. Die Arbeit findet vor allem in Gebieten in Nord- und Ostafghanistan statt, konkret in Kabul, Ghazni und Kunduz.

Die Verwirklichung solcher Projekte ist insbesondere auf das Engagement von Nadia Nashir zurückzuführen. 1955 in Kabul, Afghanistan geboren, flüchtete ihre Familie 1975 aufgrund politischer Verfolgung nach Deutschland. Vor ihrer Flucht hatte sie zwei Semester Germanistik in Kabul studiert und bis 1990 ihr Studium der Medienwissenschaften, Psychologie und Pädagogik in Osnabrück fortgesetzt. Nashir arbeitete als freiberufliche Journalistin im Hörfunk und übertrug als Übersetzerin einen Text von Roger Willemsen vom Deutschen ins Dari.

Die erste Schule gründete sie 1992 gemeinsam mit anderen Frauen in den dunkelsten Zeiten des Taliban-Regimes und nannte sie „Roschani“ (Licht). Auch an der 2020 gebauten „Safaa-Schule“ war sie maßgeblich beteiligt. Die Schule kostete etwa 500.000 Euro und wurde unter anderem durch Spendengelder aus Osnabrück finanziert. Dafür sammelten unter anderem Rotary Clubs aus der Stadt und dem Landkreis Osnabrück. Zur Akquirierung von Spendengeldern veranstaltete sie regelmäßig öffentlichkeitswirksame Informationsveranstaltungen.

Außerdem bildeten sich durch ihr Wirken zahlreiche Partnerschaften mit Osnabrücker Institutionen, Clubs und Schulen; so ist das Carolinum die Partnerschule einer Mädchenschule in Afghanistan. Es gibt drei weitere Schulen, die von Spendengeldern der AFV finanziert wurden. Eine davon ist die Bojasar-Mädchenschule, die auch in Kabul liegt und bei einem Anschlag im August 2019 schwer beschädigt worden ist. Das Attentat war der erste Anschlag auf die Bildungseinrichtungen und Projekte, die der AFV unterstützt. Beim Anschlag ist niemand verletzt worden, allerdings wurden das Dach sowie die Bibliothek zerstört.

Davon haben sich die Helferinnen des AFV aber nicht abschrecken lassen: „Wir machen weiter, denn Bildung ist das Wichtigste“, sagt die Schulleiterin Nadia Qayumi. Das gilt auch für die Corona-Zeit. Zwar wurde die Schuleröffnung der Safaa-Schule durch die Corona-Pandemie verzögert, aber der Frauenverein hat alternative Lehrformen gefunden und die Schülerinnen mit Corona-Hygienepaketen ausgestattet.

Die „Safaa-Schule“ wurde im Gedenken an Roger Willemsen, dem ehemaligen Schirmherrn des AFV, fertiggestellt. Neben seinem Engagement für den AFV war Willemsen ebenfalls für Amnesty International, CARE International und der UN-Flüchtlingshilfe tätig. Für den AFV engagierte er sich ganz besonders. Mit Benefizveranstaltungen initiierte er Brunnenbauten und setzte sich außerdem sehr für die Gründung von Mädchenschulen ein. Auch nach seinem Tod im Jahr 2016 ist er weiterhin eine zentrale Leitfigur für den AFV. Seit 2017 ist der Sänger Herbert Grönemeyer, ein enger Freund seines Vorgängers Roger Willemsen, Schirmherr.

Noch vor ihrem frühen Tod am. 20. April 2023 richtet sich die Vorsitzende Nadia Nashir-Karim mit deutlichen Worten an die deutsche Politik: Afghanistan dürfe nicht in Vergessenheit geraten und die Beziehungen zu Afghanistan dürften nicht aufgegeben werden. Die Beziehungen sollten aber an die Einhaltung von Menschenrechten geknüpft sein. Die humanitäre Not dort habe sich durch Corona noch verschlechtert. Dazu komme die unsichere politische und militärische Situation.

Diese kritische Lage führte und führt auch weiterhin zu afghanischen Migrant:innen, die auf der Flucht vor dem Taliban-Regime nach Deutschland kommen. Der AFV versucht derweil, sowohl vor Ort als auch in Deutschland zu helfen. So produzieren Frauen und Mädchen in Afghanistan in den Projekten des Vereins verschiedene Stücke, die für Spendenzwecke verkauft werden: Schals in jeglichen Größen, Schlüsselanhänger, Geschenkbeutel, Kinder-Kleider, Kinderbettwäsche und Tischläufer. Diese können im Online-Shop des AFV erworben werden. Die Schneiderinnen knüpfen dabei an alte Kulturtechniken an, die sie in den Ausbildungsstätten des AFV erlernen.

Bei dem hier zu sehenden Kissenbezug handelt es sich um eine Schenkung des Afghanischen Frauenvereins e.V. anlässlich des Vortrages der Vorsitzenden Nadia Nashir am 21. Juni 2018 im Osnabrücker „Forum Migration“ an das Kulturgeschichtliche Museum. Eingestickt auf dem silberglänzenden Stoff sind neben bunten Punkten die gleichbedeutenden Worte „Danke“ und „Taschakor“ (Dari).

(Anna Blum und Anna Schlutter)

 


Steckbrief

Titel: Kopfkissenbezug mit Stickerei „Taschakor“ (Danke)
KünstlerIn/HerstellerIn: Afghanischer Frauenverein e.V.
Material/Technik: Seide, bestickt
Herstellungsort: Afghanistan
Datierung: 2018
Maße: 40 x 35 cm
Bemerkungen: Stoff am Reißverschluss ausgerissen, Schenkung von Nadia Nashir
Aufbewahrungsort: Museumsquartier Osnabrück, A 5833

Wegen Umbau geöffnet

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