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31. Abdullah Sakaryas „Parkhaus am Ring“: eine typisch deutsche Eckkneipe?!

Keramik mit Fotografie, Souvenir aus Antakya (Türkei), ca. 1970er Jahre

Tausende Menschen mit Migrationshintergrund leben in Osnabrück, haben sich hier eine Existenz aufgebaut und sind inzwischen auch angekommen. Einer von ihnen ist der Türke Abdullah Sakarya, der vor über vierzig Jahren nach Deutschland kam und jeden Abend hinter dem Tresen seiner Eckkneipe an der Parkstraße steht. Ich habe ihm als Moderatorin von „osradio 104,8“ einen Besuch abgestattet.

Es ist Samstagabend. Die Gäste von Abdullah Sakarya starren auf den Fernsehapparat und diskutieren eifrig über den Kampf zwischen Vitali Klitschko und Dereck Chisora. Ein langweiliger Kampf, sind sich der türkischstämmige Wirt und seine Gäste einig. So richtig könne er heute nicht reden, da ihm gerade ein Zahn gezogen wurde, erklärt Abdullah mit einem schiefen Lächeln.

Seit fünf Jahren betreibt er das „Parkhaus am Ring“ in der Wüste. Eine typisch deutsche Eckkneipe. Beim Öffnen der braunen Holztür weht mir zunächst eine gute Dosis Zigarettenqualm entgegen. Hier darf geraucht werden und das tun die Gäste auch gerne. Über zwei Stufen erreicht man einen größeren Raum, in welchen fast täglich Dart gespielt wird. Und auch eine Musikbox fehlt nicht, obwohl diese meist schweigt. Denn am liebsten sitzen die Gäste rund um Abdullahs Tresen und reden über die aktuelle Tagespolitik, die Nachbarn, oder das, was gerade im Fernsehen läuft.

Abdullah zapft Bier, poliert Gläser, schenkt Kurze ein, lauscht den Gesprächen und wirft ab und an einige Wortfetzen in die Runde. Auf den zweiten Blick, dann doch ein wenig Türkei in der Kneipe des Wirtes mit dem korrekt gebügelten schwarzen Hemd. Fein säuberlich stehen hinter ihm im Tresenschrank einige Erinnerungen. Neben Fotografien aus Jugendtagen und dem sogenannten „Auge Gottes“ – einem Amulett aus blauen und weißen Glas, welches vor bösen Blicken schützen soll – fällt ein weißer Souvenirteller aus Porzellan mit einem historischen Schwarz-Weiß-Foto und der Inschrift „antakya“ auf. Das Bild vom Zentrum der laut Abdullah Sakarya zweitältesten Stadt der Welt zeigt den Fluss, der durch die türkische Kleinstadt fließt, und die darüber führende Brücke, welche die Franzosen seinerzeit als Kolonialherren erbaut haben.

Aus Antakya kam der ‚Wirt mit Migrationshintergrund‘ 1972 im Alter von 14 Jahren nach Deutschland. Sein Vater suchte und bekam Arbeit beim Osnabrücker Autohersteller Karmann. Ganz einfach war es für Abdullah nicht, aber er hatte keine andere Wahl, denn er musste seinen Eltern folgen. „Das war bei uns so“, erklärt er. Nach seiner eigenen Ausbildung im Bergbau in Dissen machte Abdullah Sakarya sich selbständig und eröffnete zunächst einen Döner-Imbiss. 1976 heiratete er seine Ehefrau, die ebenfalls aus Antakya stammt. Später eröffnete er dann das „Parkhaus am Ring“.

Allmählich leert sich der Laden, die Gäste verabschieden sich und der Wirt ruft noch ein Taxi für eine Dame. Beim Blick auf das gläserne „Auge Gottes“ frage ich, wie Abdullahs muslimischer Glaube zur deutschen Kneipenkultur passe. Das sei kein Problem, antwortet Abdullah. Wenn es Probleme gäbe, dann liege das nicht am Glauben sondern an den Menschen. „Jeder muss jeden akzeptieren, damit das gut geht“, ist er fest überzeugt.

In den Ferien besucht Abdullah regelmäßig seine Familie in der Türkei. Die Eltern sind im Rentenalter wieder zurückgegangen und haben das ein wenig bereut. Er werde hier bleiben, wegen seiner Kinder, die alle studiert haben, aber auch, weil die Türkei etwas fremd geworden sei nach all den Jahren, überlegt der bekennende „Schinkelaner“ und schenkt mir zum Abschied den Teller aus Antakya. Das Souvenir aus Abdullahs Heimatstadt spendete „osradio 104,8“ 2013 dem Kulturgeschichtlichen Museum Osnabrück.

(Silke Grob)

Download „Eine deutsch-türkische Kneipe in unserer Straße“

Hörbeitrag von Silke Grob (OS-Radio, 25. Juni 2013; Dauer: 3’39 Minuten)

Hörbeitrag: Medien


Steckbrief

Titel: Souvenir aus Antakya (Türkei)
KünstlerIn/HerstellerIn: unbekannt
Material/Technik: Keramik mit Fotografie, glasiert
Herstellungsort: Türkei, Antakya (?)
Datierung: 1970er Jahre (?)
Maße: 9,5 x 9,3 x 3,8 cm
Bemerkungen: Inschrift „antakya“
Aufbewahrungsort: Osnabrück, Kulturgeschichtliches Museum, A 5668

Wegen Umbau geöffnet

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