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28. Aus dem Osnabrücker Land nach Südafrika

Plakat zur Erinnerung an 125 Emigranten, die 1847 von Osnabrück nach Südafrika auswanderten, Osnabrück 1980/90er Jahre

We should like to wish the newly founded Settler’s Museum in Westville, in the South African province of Natal, every success and hope that as many people as possible will visit it.“ – Diese Glückwünsche des Oberbürgermeisters und des Oberstadtdirektors der Stadt Osnabrück zur Eröffnung des „Siedler-Museums“ im südafrikanischen Westville machen neugierig auf eine gemeinsame Geschichte, die das südliche Afrika und in die Region Osnabrück miteinander verbindet. Auf welche historischen Ereignisse verweist das in englischer Sprache abgefassten Plakat, das vom Wappen der Stadt Osnabrück bekrönt wir?

Hinter dem „Settler’s Museum“ in Westville verbirgt sich die Geschichte des bayrischstämmigen Unternehmers Jonas Bergtheil, der 1834 im Alter von 15 Jahren nach Südafrika ausgewandert war, um den Kolonialwarenhandel seines dort ansässigen Vetters Gabriel Kilian zu unterstützen. 1847 gründete Bergtheil mit seinem Geschäftspartner Philip Jacob Jung sowie dem französischen Siedler Hipolyte Jargal die Natal Cotton Company. Diese Firma sollte in der als fruchtbar geltenden Gegend der britischen Kolonie Natal (Teil des heutigen KwaZulu-Natal) auf einer 63 Quadratkilometer großen Farm in großem Stil Baumwolle für den europäischen Markt herstellen.

Für das Projekt benötigte Bergtheil Arbeitskräfte, die er in Europa suchte, und zwar zunächst in England. Als er dort keine geeigneten Siedler finden konnte, sah er sich im Osnabrücker Land um und stieß endlich in Bramsche auf interessierte Siedler. Aufgrund der herrschenden Wirtschaftskrise waren sie bereit, ihr Glück im fernen Südafrika zu versuchen. Bei dieser Bramscher Gruppe handelt es sich um die erste europäische Siedlergruppe, die sich organisiert in der britischen Kolonie Natal niederließ. Insgesamt 35 Familien verließen am 19. November 1847 ihre alte Heimat und brachen von Bremerhaven aus mit dem Schiff „Bertha“ nach Afrika auf.

Bergtheil hatte nicht nur Bauern angeworben. Auch Handwerker, ein Arzt und ein Lehrer sollten mithelfen, eine neue Siedlung zu gründen. Die Zuteilung der Grundstücke, die neben Ackerland für Baumwolle auch Land zum Gemüseanbau umfassten, wurde durch das Los bestimmt. Fünf Familien bekamen Land in der Ortschaft Westville zugelost, welche nach dem damaligen britischen Lieutenant-Governor Martin West benannt war. Die restlichen 30 Familien ließen sich an einem „Neudeutschland“ genannten Ort (heute New Germany) nieder.

Aus unterschiedlichen Gründen war der Plan Bergtheils, in Natal Baumwolle anzupflanzen, erfolglos. Dennoch blieben die Siedler in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Übersee und spezialisierten sich auf den Gemüseanbau. Die Erträge verkauften sie im nahe gelegenen Durban. Neben den generellen Schwierigkeiten, die die Kolonisten in der neuen Umgebung zu meistern hatten, erwies sich der Boden als qualitativ schlecht, hinzu kamen ernüchternde Missernten. Obwohl ein Teil der Siedler im Laufe der Jahre ins Inland weiterzog und sich bei Piemaritzburg und New Hannover erneut niederließ, bestand die „Bramscher Siedlung“ weiter. Bis heute steht sie für eine überraschende Verbindung vom Osnabrücker Land nach Südafrika.

(Simone Feldker)


Steckbrief

Titel: Plakat
KünstlerIn/HerstellerIn: unbekannt
Material/Technik: Druck
Herstellungsort: Osnabrück
Datierung: 1980/90er Jahre
Maße: 70 x 42 cm
Bemerkungen: Sprache Englisch; zur Erinnerung an 125 Emigranten, die 1847 von Osnabrück nach Südafrika ausgewandert sind.
Aufbewahrungsort: Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück, A 5661

Wegen Umbau geöffnet

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