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2. „Die Chiantiflasche muß mit dabei sein …“

Erster italienischer Karmann-Arbeiter bei seiner Ankunft in Osnabrück Oktober 1959 Copyright: Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück

Die Chiantiflasche muß mit dabei sein …" … untertitelte der Redakteur der "Karmann-Post" in der Dezember-Ausgabe von 1959 das Foto des ersten italienischen Gastarbeiters in Osnabrück. Der Zufall wollte es, dass gerade der abgebildete junge Mann, Filipo Ercolani (1938-2011), mit seinem Koffer in der linken und einer Chiantiflasche in der rechten Hand bei seiner Ankunft auf dem Osnabrücker Hauptbahnhof als erster die Kontrolle passierte.

Warum kamen Italiener zum Arbeiten nach Osnabrück? Im Deutschland führte der Wirtschaftsboom in den 1950er Jahren zu Vollbeschäftigung und Arbeitskräftemangel. Die Gründe für das sogenannte Wirtschaftswunder waren vielschichtig. Es waren qualifizierte Arbeitskräfte in ausreichender Zahl vorhanden. Aus den USA wurden moderne Technologien importiert. Die industrielle Infrastruktur war nach dem Zweiten Weltkrieg noch vorhanden und nicht so zerstört wie zunächst vermutet. In der Tarifpolitik verhielten sich die Gewerkschaften moderat: Erst ab 1956 wurde der arbeitsfreie Samstag eingeführt; noch bis 1955 galt die 49-Stundenwoche bei lediglich 2-3 Wochen Jahresurlaub. Der Nachholbedarf‘ der Bevölkerung sorgte für eine massive Nachfrage bei Wohnraum, Konsum- und Investitionsgütern. Zudem führte der Koreakrieg ab 1950 zu einem Boom auf dem Weltmarkt, von dem die deutsche Exportwirtschaft profitierte. Die EWG von 1958 und die "starke" D-Mark taten ein Übriges.

Und Osnabrück? 1959 warb das Osnabrücker Unternehmen Wilhelm Karmann GmbH über das Arbeitsamt Verona die ersten ausländischen Arbeitskräfte als "Gastarbeiter" an. Im Oktober desselben Jahres kamen 21 Italiener aus der Gegend um Rom in die niedersächsische Stadt an der Hase. Sie wurden im Presswerk des Autoherstellers beschäftigt. Neben Karmann suchten schnell auch andere Osnabrücker Firmen Arbeitskräfte im Ausland; den Italienern folgen bald Portugiesen, Spanier, Griechen, Jugoslawen und Türken.

Für den Redakteur der "Karmann-Post" war die Ankunft der ersten Italiener eine "Story" wert. Das Foto stammt einer Reportage unter dem Titel "Ausländer im Betrieb ...". Sie zeigt unter anderem komfortabel eingerichtete Unterkünfte für die neuen Kollegen. Zeitzeugenberichten zufolge waren die meisten vorbereiteten Wohnunterkünfte allerdings wesentlich einfacher eingerichtet. Oft befanden sich diese Sammelunterkünfte mit Hochbetten in größeren Werkshallen.

Was bedeutete die Chiantiflasche wohl für Filipo Ercolani? Während die Bildunterschrift eher kolportiert, dass "der Italiener" nun einmal gerne Wein trinkt, war diese konkrete Flasche vielleicht weit mehr: ein Stück Heimat, das dieser Karmannarbeiter mit nach Deutschland brachte, um die bevorstehende lange Trennung von der Familie und der vertrauten Umwelt besser zu ertragen. Ihre Symbolkraft zeigt sich später in den entstehenden italienischen Restaurants und Pizzerien, in denen die "Chiantiflasche" zur Standarddekoration gehören wird.


Steckbrief

Titel: Osnabrücks erster italienischer Gastarbeiter
KünstlerIn/HerstellerIn: Karmann-Post, herausgegeben von der Firma Wilhelm Karmann GmbH Osnabrück
Material/Technik: Offsetdruck
Herstellungsort: Osnabrück
Datierung: Ausgabe Dezember 1959, Heft 13
Maße: 12,5 x 8 cm
Aufbewahrungsort: Osnabrück, Kulturgeschichtliches Museum, A 5470

Wegen Umbau geöffnet

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