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17. „So schön ist Osnabrück“

Buch "So schön ist Osnabrück", Sachbuchverlag Karin Mader, 1988

Pascal Arnouts wurde 1969 in Fumel in Südfrankreich geboren und wuchs dort auf. Er machte eine Lehre als Koch. Ende 1986, nach Abschluss seiner Ausbildung, nahm er an einem Klassentreffen teil. Der Direktor fragte damals alle, was sie beruflich machten. Als Pascal Arnouts ihm sagte, dass er noch keine Anstellung gefunden habe, unterbreitete ihm der Direktor ein Angebot: Er wusste von einer freien Koch-Stelle in Hannover. Sie sollte Anfang Januar 1987 beginnen und war auf ein Jahr befristet. Deutschkenntnisse waren nicht verpflichtend. Das war für den jungen französischen Koch eine Chance, denn er hatte bislang kein Deutsch gelernt.

Pascal Arnouts entschied sich, diese Anstellung mit Entdeckerdrang anzunehmen. Am 7. Januar 1987 kam er im Alter von 18 Jahren in Deutschland bzw. in Hannover an. Er entdeckte sehr schnell für sich die Freundlichkeit und die Hilfsbereitschaft der Deutschen. Sein Chef hatte für ihn eine gemütliche Wohnung gefunden und obwohl Pascal kein Deutsch konnte, integrierten ihn seine Kolleginnen und Kollegen sofort in ihre Gruppe. Sie luden ihn sogar zu Weihnachten ein, damit er über die Feiertage nicht allein war. Seine Kollegen waren auch stets da um ihm zu helfen, wenn es Schwierigkeiten mit der deutschen Verwaltung gab.

Nach seinem Jahr in Hannover hätte Pascal nach Frankreich zurückkehren sollen, aber er fühlte sich in Deutschland so wohl, dass er sich entschied, noch ein halbes Jahr länger zu bleiben. Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Zunächst fand er eine Stelle in Celle, wo er mehr als ein Jahr arbeitete. Schließlich entstand – mehr aus einer Laune heraus – die Idee, sich gemeinsam mit einem Freund selbständig zu machen. Ende 1990 entdeckten die beiden Freunde in der Krahnstraße in Osnabrück eine kleine Kneipe. Da die Stadt auf sie einen guten Eindruck machte, entschieden sie sich, dort einzusteigen. Ein nächster großer Schritt war getan.

Während sein Freund einige Jahre später in eine andere Stadt umzog, blieb Pascal in Osnabrück. Seine Kundschaft im „Warsteiner Treff – Bei Pascal“ wuchs stetig. Sein Deutsch verbesserte sich zusehends. Dann lernte er eine Frau kennen; seine künftige Ehefrau. Schließlich wurde die gemeinsame Tochter geboren. „Jetzt habe ich alles, was ein Mensch braucht“, sagt Pascal dazu im Interview.

Pascal fühlt sich in Deutschland angekommen. „Mein Leben ist hier.“ Für ihn ist jemand integriert, wenn das Anfangsgefühl, als Fremder angesehen zu werden, dem Eindruck weicht, sich zu Hause zu fühlen: „Man hat Freunde, eine Familie, ein Arbeit usw.“ Seiner Meinung nach sollten Migranten immer solche Erfahrungen machen.

Wenn man Pascal fragt, ob er nach Frankreich zurückkehren will, antwortet er, dass er ursprünglich ja nur ein Jahr lang bleiben wollte. Aber jetzt hat er sein Leben in Osnabrück und trotz seiner Eltern und seiner französischen Wurzeln verspürt er keinerlei Motivation, seine Arbeit, seine Freunde und seine Familie in Osnabrück zu verlassen. Er versucht, seine Familie in Frankreich so regelmäßig wie möglich zu besuchen, aber er bereut seine Entscheidung nicht, in Deutschland bzw. in Osnabrück zu bleiben. Hier fühlt er sich wohl, hier ist inzwischen sein Zuhause.

Durch seine Herkunft fühlt er sich zwar auch noch als Franzose, aber gleichzeitig empfindet er sich durch die Sprache, die er täglich spricht und schreibt, als Deutscher. Er liest Deutsch und denkt wie ein Deutscher. Auch über Politik informiert sich Pascal Arnouts nur noch selten in französischen Zeitungen oder im französischen Fernsehen. Er interessiert sich noch für die Verhältnisse in Frankreich, aber auch dieses Interesse hat sich mittlerweile stärker nach Deutschland verlagert. Zumal, seitdem er die deutsche Staatsangehörigkeit erworben hat und in Deutschland wählen darf. Pascal Arnouts ist ein richtiger Osnabrücker geworden, der halb Franzose, halb Deutscher ist. Seine Bilanz: „Ich fühle mich wohl so.“

Besonders in Ehren hält Pascal ein Buch, das er von zwei Kunden zum einjährigen Bestehen seiner Kneipe geschenkt bekommen hat. Es trägt den Titel „So schön ist Osnabrück“. Auf den ersten Seiten befindet sich eine Widmung seiner heutigen Freunde: „Herzliche Glückwünsche zum 1-jährigen von Ulla + Werner 19.10.91“. Für Pascal belegt das Geschenk seine gelungene Integration in die Osnabrücker Gesellschaft. „Für mich ist das etwas Besonderes gewesen“, sagt er heute dazu. „Es sollte mir sagen: ‚Du bist jetzt in Osnabrück, du sollst Osnabrück kennen lernen, weil du bei uns in Osnabrück bleiben sollst. Wir haben dich akzeptiert und jetzt gehörst du zu uns‘“.

(Alexandra Dubuc)


Steckbrief

Titel: „So schön ist Osnabrück“
KünstlerIn/HerstellerIn: Martina Wengierek-Schlüsselburg (Text), Bernd Schlüsselburg (Fotos), Michael Meadows und Mireille Patel (Übersetzungen)
Material/Technik: Karton, Papier, gebunden
Herstellungsort: Sachbuchverlag Karin Mader, Grasberg
Datierung: 1988
Maße: 20,6 x 21,5 x 1,2 cm
Bemerkungen: Widmung: „Herzliche Glückwünsche zum 1-jährigen von Ulla + Werner 19.10.91“
Aufbewahrungsort: Pascal Arnouts, Osnabrück

Wegen Umbau geöffnet

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