Am 21. März 2025, dem Internationalen Tag gegen Rassismus, füllten sich die Straßen Osnabrücks mit einem besonderen Rhythmus: dem gleichmäßigen Takt unzähliger Schritte. Es war kein sportlicher Wettkampf, keine Jagd nach Bestzeiten, sondern ein Symbol des Zusammenhalts. Unter dem Motto „Rassismus? – Lassen wir hinter uns!“ lud der Exil e.V. zum ersten Solidaritätslauf gegen Rassismus ein. Start- und Zielpunkt war das Café Felka am Heger-Tor-Wall, von wo aus die rund 11 Kilometer lange Strecke über den Westerberg zum Rubbenbruchsee führte. Der Verein Exil e.V., seit 1987 eine feste Anlaufstelle für Menschen mit Flucht- und Migrationsgeschichte, verband hier sportliche Bewegung mit gesellschaftlichem Engagement. Gemeinsam sollte ein bewegtes Zeichen für Gleichberechtigung und gegen jegliche Form der Diskriminierung gesetzt werden. Keine Medaillen, keine Siegerlisten – stattdessen ein solidarisches Miteinander. Die Teilnahme war kostenfrei, die Botschaft unbezahlbar: „Stop Racism!“
Dass ein solches Zeichen notwendig ist, zeigt die Gegenwart: Im Jahr 2024 erreichte die Zahl rechtsextremer Straftaten bundesweit einen neuen Höchststand. Rassistische Vorurteile, Ausgrenzung und Gewalt sind keine Randerscheinungen, sondern Alltag. Diskriminierungen sind nicht überwunden, sondern tief in Sprache, Institutionen und Alltagsstrukturen verankert. Der Lauf war daher nicht nur sportliches Ereignis, sondern auch öffentliche Haltung – sichtbar, lautlos, aber unübersehbar.
Der Lauf reihte sich ein in die Internationalen Wochen gegen Rassismus, eine weltweite Bewegung, die ihren Ursprung im Widerstand gegen die Apartheid in Südafrika hat. Dabei lassen sich Ursprünge des Rassismus im Zusammenhang mit der Entstehung von Nationalstaaten finden, mit denen die Idee von homogenen Bevölkerungen und Identitäten einher ging. Der Beginn der „rassistischen Zeitrechnung“ wird zumeist Spanien 1492 zugeordnet. In diesem Jahr erfolgte die „Entdeckung“ und Eroberung Lateinamerikas, was die weltweite Kolonialisierung einläutete. Heute erinnert die Bewegung daran, dass Rassismus nicht überwunden ist, sondern tief in gesellschaftlichen Strukturen fortbesteht. Schulen, Behörden, der Arbeitsmarkt, Sprache und Bilder – nichts ist ausgenommen. Viel zu oft wird er verharmlost – als Einzelfall, als Extremismus am Rand oder als überholte Ideologie. Doch das unsichtbare Netz der Benachteiligung spannt sich viel weiter. Hier setzt die Arbeit von Exil e.V. an: im Alltag, in Beratung, Begegnung und Bildung. Der Lauf gegen Rassismus war eine Verlängerung dieses Engagements in die Öffentlichkeit – ein bewegtes Bekenntnis zu Menschenwürde und Gleichberechtigung.
Wer an diesem 21. März mitlief, spürte die Kraft der Gemeinschaft. Unterschiedliche Sprachen, Hautfarben, Religionen und Geschichten liefen Seite an Seite. Sport wurde zur Brücke, Bewegung zur Botschaft. Das Café Felka, Zielpunkt des Laufs, verwandelte sich zum Treffpunkt, an dem nicht nur die sportliche Leistung, sondern vor allem das solidarische Miteinander gefeiert wurde.
Das Objekt, eine der Startnummern des Solidaritätslaufes, steht damit für mehr als einen sportlichen Moment. Es erzählt von zivilgesellschaftlichem Engagement und von der Verantwortung, Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem sichtbar zu machen. Klar wird dabei: Der Kampf gegen Rassismus ist kein Sprint, sondern ein Langstreckenlauf. Jeder Schritt zählt – in Osnabrück und überall auf der Welt.
(Sara Aschenbroich)
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