Der Verein „Centro Portugês de Osnabrück“ ist einer der ältesten und größten portugiesischen Vereine in ganz Deutschland. Seine Geschichte beginnt in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit suchten viele deutsche Unternehmen dank der positiven Wirtschaftslage Arbeitskräfte im Ausland und fanden sie u.a. auch in Portugal. Da die Familien der männlichen „Gastarbeiter“ in der Regel zunächst in Portugal zurückblieben, suchten die portugiesischen Arbeitsmigranten fern ihrer Heimat einen vertrauten Ort, an dem sie sich treffen und untereinander austauschen konnten.
Im April 1972 gründeten etwa 20 Männer den Verein „Centro Portugės de Osnabrück“ (CPO). Im neuen Verein wurde gemeinsam gekocht. Nachrichten aus der Portugal wurden ausgetauscht. Hier entstand am neuen Wirkungsort so etwas wie eine ‚Ersatzheimat‘. Das Wappen des Vereins, das unten rechts auf dem Plakat abgebildet ist, verbindet nicht von ungefähr das Wappen Portugals mit dem der Stadt Osnabrück.
Als klar wurde, dass die sog. Gastarbeiter nicht nur vorübergehend in Osnabrück arbeiten und bald wieder nach Portugal zurückkehren, sondern längerfristig in der Stadt an der Hase bleiben würden, holten sie ihre Familien nach. Damit veränderte der Verein seinen Charakter. War mit der Vereinsgründung zunächst aus der ‚Not‘ der Trennung von der portugiesischen Heimat und Familie eine ‚Tugend‘ geworden, so entstand nun aus dem Treff der Landsleute ein Freizeitverein. Im „Portugiesischen Freizeitzentrum“ erhielt die Pflege portugiesischer Kultur mehr Raum. Es gab Theaterprojekte und einen Chor. Neben kulinarischen Angeboten aus Portugal werden heute regelmäßig Tanzveranstaltungen mit Livebands oder traditionelle Feste an Ostern und Weihnachten organisiert. Wohltätigkeitsaktionen, wie jene für ein an Leukämie erkranktes Vereinsmitglied im Jahre 2015, führt der Verein ebenfalls durch.
Bei der allgemeinen Fußballbegeisterung im Land von Eusébio, Luis Figo und Cristiano Ronaldo wundert es ferner nicht, dass der Verein einen eigenen Fußballverein initiierte. Der „SC Português“ trainiert auf dem Platz des SC Schölerberg. Mittlerweile gibt es eine erste und eine zweite Mannschaft.
Selbst wenn ein unmittelbarer interkultureller Austausch eher selten stattfand, sollte sich das Zentrum doch mit der Zeit grundsätzlich weiter öffnen. In diese Richtung weist beispielsweise die Ausstellung „Portugal – ein Dankeschön an Land und Leute“ mit Fotos von Hans-Jürgen Chinnow, auf die das Plakat aufmerksam macht. Sie wurde in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt der Stadt Osnabrück organisiert und im Juni 1990 im CPO an der Bünder Straße gezeigt. Ihren offiziellen Charakter unterstreicht die Eröffnung durch den portugiesischen Vizekonsul Paulo Poças am 17. Juni 1990. Die Ausstellung belegt unter anderem, dass Osnabrück dem interkulturellen Austausch zwischen den etwa 140 Nationalitäten, die die Stadt mittlerweile beheimatet, bewusst Raum gibt.
Bis heute informiert das CPO regelmäßig mittels Facebook und Instagram über aktuelle Veranstaltungen und Termine. Anfang Oktober 2025 veranstaltete es beispielsweise ein „Oktoberfest“. Dazu passen Aussagen des Vereins, wonach man sich wünscht, dass auch andere Osnabrücker:innen den Weg ins Portugiesische Zentrum finden und neue Ideen einbringen.
Die Geschichte des CPO veranschaulicht, dass Migrationsprozesse nicht statisch sind, sondern ganz konkret den Alltag von Menschen dynamisch prägen und verändern. Selbst der Versuch, die „Heimat“ als emotionalen Anker zu sichern, kann nicht verhindern, dass vor Ort zwangsläufig eine Auseinandersetzung mit der neuen Umgebung erfolgt und Veränderungen bringt. In der Begegnung mit anderen Menschen und Kulturen erweitert der Begriff „Heimat“ seine Bedeutung. Im Umfeld des CPO begegnen sich seit nunmehr über 50 Jahren „Osnabrück“ und „Portugal“.
(Henri Wöhrman
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