Über Migration gibt es zahlreiche Mythen: Die Migrant:innen kommen alle illegal nach Deutschland, wollen überhaupt nicht arbeiten und überhaupt sind sie an allen Problemen in Deutschland Schuld! Viel Raum für Differenzierung scheint es hier nicht zu geben: Migrant:innen finden im öffentlichen Raum kaum Gehör und sind somit der ideale Sündenbock für rechtsextreme Akteur:innen.
Aus wissenschaftlicher Perspektive versucht das von Klaus-J. Bade ins Leben gerufene „Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien“ (IMIS) aus Osnabrück seit 1990/91 interdisziplinär diesem Mythen entgegenzuarbeiten. So betont beispielweise der profilierte Migrations- und Bildungsforscher Aladin El-Mafaalani, dass die Integration in den Arbeitsmarkt männlicher Migranten sehr gut läuft (80% der 2015 angekommenen haben eine Arbeit), die der Frauen mit 20% aber wesentlich schlechter ist. Dies liege am schlechten Ausbau der Kindergärten, sodass zu viele Frauen mit der Kinderbetreuung beschäftigt seien und nicht arbeiten könnten.
Der Migrationsforscher Jochen Oltmer beschäftigt sich viel mit Begriffen, mit denen wir über Migration sprechen: So stellt er richtig, dass heute von illegaler Migration gesprochen wird, obwohl diese Menschen auf legalem Wege ein Asylgesuch stellen.
Der Historiker Christoph Rass arbeitet unter anderem zu Displaced Persons. Diese Kategorie umfasst Personen, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg außerhalb ihrer Herkunftskontexte aufgehalten haben. Von diesen Menschen waren 1945 über zehn Millionen auf deutschem Boden. Dies zeigt, dass Migration kein neues Phänomen darstellt, sondern insgesamt ein bedeutender Bestandteil der deutschen Geschichte ist.
Die wissenschaftlich gewonnenen Erkenntnisse kommuniziert das Institut bewusst in die Öffentlichkeit, um der Debatte um Migration ein fundiertes wissenschaftliches Fundament zu verschaffen. Zur Bundestagswahl 2017 befragte die NOZ in ihrer Reihe „Populismus. Positionen. Perspektiven“ drei Wochen lang Expert:innen zu aktuell strittigen Themen. Zum Thema Migration befragten sie Jochen Oltmer vom IMIS. Er betont, dass sich Zeiten der Zu- und Abwanderung abwechseln.
In der Phase 2015/16 war Jochen Oltmer ein generell gefragter Interviewpartner. 2015 hat er allein über 250 Interviews gegeben. Die Einschätzung des IMIS ist also auch außerhalb der Fachkreise gefragt. Die gesellschaftliche Bedeutung des IMIS wurde 2023 durch einen neuen Sonderforschungsbereich „Produktion von Migration“ (SFB 1604) bestätigt. Hier fließen von der „Deutschen Forschungsgesellschaft“ bis 2027 insgesamt 8,3 Millionen Euro Fördermittel. Damit kann das IMIS den landesweit einzigen Sonderforschungsbereich in den Geisteswissenschaften vorweisen.
(Timo Diener)
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