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Forum Migration

Erster italienischer Karmann-Arbeiter bei seiner Ankunft in Osnabrück Oktober 1959 Copyright: Kulturgeschichtliches Museum Osnabrück


Termine:

  • 27. Februar 2020
  • 24. März 2020
  • 23. April 2020
  • 18. Juni 2020
  • 27. August 2020
  • 01. Oktober 2020
  • 26. November 2020

Zivilgesellschaftliches Engagement in Osnabrück – im Kontext von Flucht und Asyl: Der „Lange Sommer der Migration“ im Jahr 2015 ging in die Geschichte ein: Etwa 1 Millionen Menschen machten sich, in erster Linie über die sogenannte Balkanroute, auf den Weg nach Deutschland, um Asyl und Schutz zu suchen. Als unmittelbare Reaktion darauf erlebten wir eine große Welle des zivilgesellschaftlichen Engagements, aber auch eine zusehends restriktivere Gesetzgebung sowie die Zunahme rassistischer Übergriffe.
Wo stehen wir heute, fünf Jahre später? Was hat sich seitdem verändert? Was meint „zivilgesellschaftliches Engagement“? Warum ist es auch in 2020 noch von Relevanz? Das „Forum Migration“ möchte sich 2020 diesen Fragen widmen und dabei auf die lokale Spurensuche von widerständigen sowie solidarischen Praktiken des zivilgesellschaftlichen Engagements im Kontext Flucht und Asyl gehen.

Das Forum Migration wird gefördert durch die Stiftung Stahlwerk Georgsmarienhütte und Stiftung Niedersachsen. Wenn nicht anders beschrieben ist der Eintritt frei.

Donnerstag, 27. Februar 2020, 17.00 Uhr, Villa Schlikker
Osnabrücker Initiativen der Zivilgesellschaft im Kontext Flucht und Asyl
Offener Diskussionsabend
Gemeinsam mit Osnabrücker Initiativen möchten wir den ersten Termin des Jahres nutzen, um zu diskutieren, wie Osnabrück als solidarische Stadt in Zukunft zu gestalten ist. Zu Beginn können die eingeladenen Initiativen sich und ihre Arbeit kurz vorstellen und im Anschluss möchten wir alle Interessierten zu Gespräch und Austausch einladen: Warum sind solidarische und widerständige Praktiken zivilgesellschaftlichen Engagements auch noch im Jahr 2020 wichtig? Welchen Einfluss nimmt dabei die Osnabrücker Stadtgesellschaft? Wie kann eine Stadtgesellschaft, in der alle solidarisch miteinander leben, zukünftig aussehen?

 

 

Dienstag, 24. März 2020, 19.00 Uhr, Veranstaltungssaal MQ4
Die Mittelmeer-Monologe – Dokumentarisches Theater
Bühne für Menschenrechte Berlin
Die Mittelmeer-Monologe erzählen von Menschen, die den riskanten Weg übers Mittelmeer auf sich nehmen, in der Hoffnung, in Europa in Sicherheit leben zu können, von libyschen Küstenwachen, italienischen Seenotrettungsstellen und deutschen Behörden, die dies verhindern und von Aktivist*innen, die dem Sterben auf dem Mittelmeer etwas entgegensetzen.

Es ist, als ob die Schauspieler*innen die Menschen im Publikum direkt ansprechen, ihnen die Hand reichen und sie hineinziehen in eine Welt, die sie von nun an nicht mehr kalt lassen wird: Verwickelt, verschlungen, verbunden und vernetzt mit den Protagonist*innen, folgt das Publikum – ganz nach dem diesjährigen Motto der Internationalen Wochen gegen Rassismus „Gesicht zeigen – Stimme erheben“ – gespannt den Wegen der erzählten Geschichten. Die deutlich werdende rassistische Haltung gegenüber Geflüchteten, die zur Abschreckung ertrinken gelassen werden, wird hinterfragt. Alle Texte werden mehrsprachig (Englisch, Französisch, Arabisch) projiziert.

Vorverkauf 10,- €/ Abendkasse 12,- €/ Inhaber*innen mit Schwerbehinderten-Ausweis ab 70%/ Schüler*innen/ Studierende 5,- €/ KUKUK 1,- €/ Karten für Geflüchtete bei Exil e.V. 1,-€

Die Veranstaltung ist eine Kooperation von Museumsquartier Osnabrück, Seebrücke Osnabrück, kritnet sowie dem Büro für Friedenskultur der Stadt Osnabrück im Rahmen der „Internationalen Wochen gegen Rassismus“, mit Unterstützung von Exil e.V. Weitere Informationen: 0541-323 2322

 

 

Donnerstag, 23. April 2020, 17.00 Uhr, Villa Schlikker
Umkämpfte Räume des Asyls in Osnabrück
Impulsvortrag und Diskussion mit Sophie Hinger
Welche Rolle spielen pro-migrantische zivilgesellschaftliche Initiativen für den Umgang mit (Flucht-)Migration vor Ort? Das ist die zentrale Frage des Vortrags. Mit einem besonderen Fokus auf die Aufnahme und Unterbringung von Geflüchteten zeichnet Sophie Hinger die Entstehung, Dynamiken und Folgen zivilgesellschaftlichen Engagements für und mit Geflüchteten in Osnabrück nach. Dabei schlägt sie den Bogen von der Entstehung solidarischer Initiativen und Proteste rund um die Eröffnung der ersten Sammelunterkünfte für Geflüchtete Anfang der 1980er Jahre bis zu den Reaktionen auf den „Langen Sommer der Migration 2015“.

Sophie Hinger ist Sozialgeographin am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS).

 

 

Donnerstag, 18. Juni 2020, 17.00 Uhr, Villa Schlikker
Rückblick und Ausblick zum zivilgesellschaftlichen Engagement am Beispiel des Kirchenasyls
Impulsvortrag und Diskussion mit Magret Pues und Frieder Marahrens

Das Kirchenasyl steht in einer jahrhundertealten Schutztradition und ist als „ultima ratio“ immer Nothilfe in einem konkreten Einzelfall. Es dient dazu, Gefahren für Leib und Leben, drohende Menschenrechtsverletzungen oder individuell unzumutbare Härten für die geflüchtete Person abzuwenden.

Das erste Kirchenasyl der Neuzeit in Osnabrück wurde 1996 gewährt. Dazu gründeten Vertreter*innen aus Zivilgesellschaft und Kirchen das ökumenische Netzwerk „Asyl in der Kirche“. Im Rahmen des christlichen Engagements für Geflüchtete kommt es auch heute immer wieder dazu, dass Kirchengemeinden und Ordensgemeinschaften von Zurück- oder Abschiebung Bedrohte vorübergehend in kirchlichen Räumen aufnehmen, um ihnen in einer konkreten Notsituation beizustehen.

Magret Pues ist Referentin für Flüchtlingshilfe beim Caritasverband für die Diözese Osnabrück e.V. Frieder Marahrens ist Pastor i.R.

 

 

Donnerstag, 27. August 2020, 17.00 Uhr, Akzisehaus
„Mach´s doch selbst!“
Projektvorstellung und Workshop mit Lara Benteler und Maria Neunteufel

Im Projekt „Mach’s doch selbst!“ möchten wir das ehrenamtliche Engagement bei Exil e.V. stärken. Wir wollen sowohl Menschen mit Fluchterfahrung dazu ermutigen, sich zu engagieren und sie dabei unterstützen, eigene Projektideen umzusetzen, als auch Menschen ohne Fluchterfahrung in ihrem Engagement fördern.

In ihrem Workshop möchten Lara Benteler und Maria Neunteufel „Ergebnisse“ von „Mach’s doch selbst!“-Projekten präsentieren und sie als Objekte mit Migrationsgeschichte vorstellen, die Eingang in das Virtuelle Osnabrücker Migrationsmuseum finden können. Maria Neunteufel und Lara Benteler sind Ehrenamtskoordinator*innen bei Exil e.V.

 

 

Donnerstag, 1. Oktober 2020, 17.00 Uhr, Akzisehaus
Trauma und Flucht – Psychosoziale Versorgung von Geflüchteten in Niedersachsen
Impulsvortrag und Diskussion mit Sandra Steinkühler

Viele Geflüchtete sind von Ereignissen in den Kriegszonen ihrer Herkunftsländer sowie Ereignissen auf ihrem Fluchtweg tief traumatisiert. In Osnabrück wurde im November 2017 ein Psychosoziales Zentrum des Netzwerks für traumatisierte Flüchtlinge in Niedersachsen (NTFN) eingerichtet.
Sandra Steinkühler vom NTFN berichtet über die aktuelle psychosoziale Versorgungslage von Geflüchteten in und um Osnabrück. Außerdem benennt sie, wie auch die Zivilgesellschaft traumatisierte Menschen mit Fluchterfahrung unterstützen kann.

 

 

Donnerstag, 26. November 2020, 17.00 Uhr, Akzisehaus
„Wir wollen keine Angst vor Abschiebung haben! Wir wollen gleiche Rechte für alle!“ Proteste gegen Dublin-Abschiebungen in Osnabrück (2014-2017)
Impulsvortrag und Diskussion mit Maren Kirchhoff
Das Bündnis gegen Abschiebungen Osnabrück verhinderte 2014/15 zahlreiche Dublin-Abschiebungen. Seine Strategie war es, sich vor Unterkünften zu versammeln und so die Überschreitung der in der Dublin-Verordnung festgeschriebenen 6-monatigen Überstellungsfrist herbeizuführen. 2015 verabschiedete der Deutsche Bundestag im Rahmen des Asylpakts ein Ankündigungsverbot für Abschiebetermine. Dennoch konnten Bewohner*innen der Unterkunft am Ickerweg mehrere Abschiebungen kollektiv verhindern und feierten im September 2017 „100 Tage abschiebefrei“.

In diesem Vortrag führt die Referentin kurz in die Dublin-Verordnung ein, erläutert die Funktionsweise der Proteste gegen Dublin-Abschiebungen in Osnabrück und bettet diese in den größeren gesellschaftlichen Kontext ein.

Maren Kirchhoff promoviert mit einem Stipendium der Hans-Böckler-Stiftung an der Universität Osnabrück. Zuvor hat sie im vergleichenden Forschungsprojekt "Taking Sides. Protests against deportation in Austria, Germany and Switzerland" am Osnabrücker Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) gearbeitet.

 

 

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