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Neukonzeption der Villa Schlikker

Die Osnabrücker Villa Schlikker am Heger-Tor-Wall

Neukonzeption der Villa Schlikker

Ein lebendiger Begegnungsort und ein Friedenslabor. Das ist der Anspruch an die neue Ausstellung in der Villa Schlikker am Heger-Tor-Wall im Museumsquartier Osnabrück. Hier soll zukünftig diskutiert und wissenschaftlich gearbeitet werden: Über den Osnabrücker Juristen Hans Calmeyer, der als Teil der Vernichtungsmaschinerie der Nationalsozialisten das Überleben, aber auch den Tod niederländischer Juden verantwortete. Und über die Geschichte der Villa, die schon seit 1932 als Hauptquartier der NSDAP in Osnabrück diente. Sie ist ein Erfahrungsort für die heutigen Besucher und ein Täter-Ort. Die neue Konzeption soll zeitgemäß mit den Themen umgehen und sich neben allen Bürgern der Stadt Osnabrücks und Besuchern besonders an die jungen Generationen richten. Die Villa als ehemalige NSDAP-Parteizentrale Osnabrücks steht neben dem Felix-Nussbaum-Haus, welches dem ebenfalls gebürtigen Osnabrücker und in Auschwitz ermordeten Maler gewidmet ist. Darin liegt eine wesentliche Herausforderung für die Konzeption der zukünftigen Nutzung des Gebäudes.

Ein Erinnerungs- und Bildungsort 
Die von der Ausstellungsagentur entwickelten Ideen nehmen in besonderer Weise auf die einzigartigen Anforderungen Rücksicht. Es entsteht ein Bildungsort zur NS-Geschichte mit einem besonderen Fokus auf das Handeln von Hans Georg Calmeyer. Menschen haben in der Zeit des Nationalsozialismus unterschiedlich gehandelt, denn sie hatten im System unterschiedliche Handlungsspielräume und Gestaltungsmöglichkeiten, und sie hatten unterschiedliche Haltungen und Werte. Das komplexe Thema der NS-Zeit soll so anschlussfähig für Fragestellungen der Gegenwart werden.

Der Beirat
Die Verwaltung der Stadt Osnabrück wurde mit Beschluss des Rates beauftragt, die Neukonzeption der „Villa Schlikker“ durch einen namhaften wissenschaftlichen Beirat begleiten zu lassen.
Dem Beirat gehören an: Prof. Dr. Alfons Kenkmann, (Geschichtsdidaktik Uni Leipzig, Vorsitzender); Dr. Petra van den Boomgaard, (Calmeyer-Forschung Niederlande), Dr. Joachim Castan (Calmeyer-Gesellschaft); Michael Grünberg (Jüdische Gemeinde Osnabrück); Dr. Hans-Christian Jasch (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz); Prof. Dr. Christiane Kuller (Universität Erfurt); Dr. Martin Liepach (Fritz Bauer Institut); Dr. Mathias Middelberg, MdB (Calmeyer-Forschung); Dr. Christoph Spieker (Villa ten Hompel)

Das Verfahren
Die Verwaltung der Stadt Osnabrück hat auf Beschluss des Rates eine Machbarkeitsstudie für die Neukonzeption der Ausstellung in der Villa ausgeschrieben, die neben einem Konzeptvorschlag auch einen konkreten Zeitplan sowie eine Kostenschätzung umfassen sollte. Bei der Wettbewerbspräsentation im Dezember 2019 stand die Beantwortung dieser Fragestellung im Mittelpunkt. Die eingeladenen namhaften Agenturen aus dem Bereich der Erinnerungskultur haben gegenüber dem wissenschaftlichen Beirat und Vertreterinnen und Vertretern der Kulturpolitik sowie der Stadtverwaltung ihre Konzeptideen für die Zukunft des Hauses vorgestellt. Der Beirat fasste ein einstimmiges Votum für das Konzept der Gewinneragentur. Der Kulturausschuss folgte am 6.2.20 in seiner Sitzung, die ein Schritt in dem Vergabeverfahren und deshalb nicht öffentlich war, der Empfehlung des Beirats. Der Vergabebeirat hat die Auftragsvergabe beschlossen, damit ist das Verfahren beendet.
Im nächsten Schritt wird in Zusammenarbeit mit dem Beirat das Ausstellungskonzept geschärft. Für die Finanzierung der Konzeptideen wird dem Rat der Stadt Osnabrück eine Kalkulation für die Umsetzung vorgestellt.

Die Sanierungskosten
Die Sanierung der Villa sowie die Umsetzung der neuen Ausstellung soll bis Ende 2023 abgeschlossen sein. Die Sanierungsarbeiten sind eine notwendige Voraussetzung, um ein neues Nutzungskonzept zu etablieren. Die Stadt Osnabrück hat 1,7 Millionen Euro Bundesfördermittel hierfür eingeworben, weitere 200.000 Euro sind städtischer Eigenanteil. Offen ist die Finanzierung der Kosten für die Umsetzung des Konzeptes, sowie für die Folge- und Betriebskosten.

Zeitplan
- Planung und Sanierung der Villa Schlikker bis Ende 2022
- Erstellung eines inhaltlichen Detailkonzeptes für die Ausstellung bis Ende 2022
- Entwurf, Vergabe aller Gewerke und Bau der neuen Ausstellung bis Mitte 2023

 

 

Wegen Umbau geöffnet

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